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Haltung als Berater und als Therapeut


Carl Rogers

Wir orientieren uns in unserer Beziehung zu unseren Klienten an einer personenzentrierten Haltung, die z.B. Carl Rogers in seinen Büchern sehr ausführlich beschrieben hat. Diese Haltung ist gekennzeichnet durch: Authentizität, unbedingte Wertschätzung und Empathie.

1. Unter Authentizität versteht man "Echtheit", ob jemand sich selbst ist und nicht irgendeine Rolle spielt.

2. Unbedingter Wertschätzung meint eine Haltung, die den Anderen in seinem Wesen bejaht und ihn annimmt, wie er ist.

3. Empathie bedeutet, sich absichtslos von Augenblick zu Augenblick in die innere Erlebniswelt des Anderen zu versetzen und zu empfinden, als ob man er wäre. Dabei ist die Qualität des "Als ob" sehr wichtig: Wird sie übersehen, empfindet man genauso wie der Andere, so handelt es sich um eine meist wenig hilfreiche reine Identifikation, die ein Mitaufgehen in der Emotion bedeutet. "Mitaufgehen in der Emotion" ist die Formulierung von Rogers. Man könnte es noch anders nennen.

Über diese Haltung, gäbe es noch viel zu sagen. Letztlich ist es eine Haltung, die Persönlichkeitswachstum fördert (s.a. den Aufsatz von Carl Rogers, "Notwendige und hinreichende Bedingungen für Persönlichkeitswachstum"). - Ganz ähnlich wie Rogers ist die Motivierende Gesprächsführung von Bill Miller und Steve Rollnick.

Jedoch ist manchmal eine andere Haltung erforderlich. Die hilfreiche Person sollte dann den Klienten konfrontieren können und für etwas stehen, dass Sigmund Freud das "Realitätsprinzip" genannt hat. Bagatellisierung, Verleugnung und "nicht wahrhaben Wollen" können bei der MPU-Vorbereitung eine Rolle spielen.

Zwei Ansätze bei der MPU-Beratung

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen in der Fachwelt zu der Frage, wie man die Beratung und Rehabilitation von auffälligen Kraftfahrern gestalten soll. Jürgen Brenner-Hartmann unterscheidet prinzipiell zwei Ansätze.

1) Die Verkehrsauffälligkeit ist das Problem

Es geht um die Neubewertung der Risiken und der Konsequenzen des Verhaltens. Man geht davon aus, dass eine Einstellungsänderung zu einer Verhaltensänderung führt. Man fragt aber nicht, wie die Person zu dieser Einstellung überhaupt gelangt ist, bzw. was einer Einstellungsveränderung aus eigenem Antrieb in der Vergangenheit im Wege stand und weswegen es immer wieder diese Wiederholungen gab.

2) Die Verkehrsauffälligkeit ist das Symptom eines Problems

Es geht um die Formulierung eines zugrundeliegenden Problems. Vielleicht kann man in zehn Beratungsstunden das zugrundeliegende Problem nicht ändern. Man kann es aber immer wieder neu formulieren und während man das Problem immer wieder neu formuliert, verändert es sich etwas. Es ist wie in der Mathematik. Je genauer ein Problem formuliert ist, desto mehr Möglichkeiten eröffnen sich zu seiner Veränderung. Einem Gutachter reicht es oft schon, wenn ein Mensch etwas nachdenklicher über sich selbst spricht, als er es vom Durchschnitt seiner Kunden gewohnt ist. "Da war ich dumm!" ist die häufigste Satz, den man in der Fahreignungsdiagnostik zu hören bekommt. Wir glauben, dass dies der bessere Weg ist.

Zwei Arten von Schmerz

Die MPU ist eine Entwicklungsaufgabe. Es geht darum, dem Klienten in seiner Selbsterkenntnis voranzubringen. Das ist die geforderte Arbeit, um eine Fahreignung wiederherzustellen.

Man muss hier zwischen zwei Arten von psychischem Schmerz unterscheiden. Es gibt psychischen Schmerz, den ein Mensch einem anderen Menschen aus Sadismus zugefügt. Und es gibt therapeutisch notwendigen Schmerz. Dieser Schmerz kann nicht umgangen werden, wenn psychische Entwicklung bewirkt werden soll (Wilfred Bion).

Zwei Arten von Beratungsdienstleistungen

Eine Bedingung für eine echte MPU-Vorbereitung, und eine langfristige Fahreignung, ist sicherlich das Vorliegen einer gewissen Schmerztoleranz. Es ist ein wichtiger Schritt für die Vorbereitung getan, wenn nach einer gewissen gemeinsamen Arbeit der Klient aus sich selbst heraus Zuversicht schöpft. Diese Entwicklung wird im Keim erstickt, wenn schon alle Angst am Anfang durch Geld beseitigt wird.

Es gibt MPU-Vorbereiter, die ihren Klienten eine positive MPU garantieren, so als könne man sich von Angst, Unsicherheit und Selbstzweifel freikaufen, wenn man nur die richtige Person finden würde. Hier weicht der Betroffene aber einem therapeutisch notwendigen Schmerzerlebnis aus. Garantieanbieter erinnern an einen Zahnarzt, der eine schmerzfreie Behandlung verspricht. Das ist natürlich der Wunsch des Klienten. Seine Forderung lautet sozusagen: "Wasche mich, aber mache mich nicht nass!"

Es einfach einmal versuchen

Bei Personen, denen die Fahrerlaubnis entzogen wurde, findet man die Tendenz, es mit der MPU einfach einmal zu versuchen. Man kann das an einem Beispiel aus einem ganz anderen Bereich veranschaulichen. Herr Maier kommt spät abends nach hause und möchte die Tür öffnen. Als er feststellt, dass er seinen Schlüssel vergessen hat, rüttelt er mächtig an der Tür, klopft heftig und stößt einen Fluch aus.

Schließlich geht er zum Probehandeln in Gedanken über: Er sucht andere Zugangsmöglichkeiten zu seiner Wohnung, indem er nacheinander in der Vorstellung Wege erkundet: durchs Fenster? durch eine andere Tür? durch den Keller? über das Dach? Am Ende wird Herr Maier wohl eine sinnvollere Handlung einfallen, als an der Tür zu rütteln. - Viele Psychologen sind der Ansicht, Denken entstehe aus verhinderten oder behinderten Handlungen. (Telekolleg für Erzieher, Psychologie II, Probehandlungen in Gedanken, S. 76)

So ist es mit dem klassischen MPU-Kandidaten. Er versucht es erst einmal "so". Wenn es dann nicht geht, dann geht er zum Denken über. - Das ist wohl der Grund, warum die erste MPU so oft negativ ausfällt. - Wie es dann weitergeht, hängt wohl auch von der Leidensfähigkeit und Wahrheitsliebe des Betroffenen ab.

Konflikt von Wahrheit und Lüge

Es gibt wohl beim Menschen überhaupt einen Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge. Einerseits geht es wohl immer um Vermeidung einer unangenehmen Erfahrung und nicht um ihre Veränderung. Und andererseits geht es um Wahrheit, die ein Mensch benötigt und psychisch zu wachsen (Wilfred Bion). Das lässt sich auch auf die MPU beziehen. Die MPU-Beratung wird von Betroffenen oft verstanden als Schulung was man zu sagen hat, damit das Gutachten positiv ist.

Der blinde Gutachter

Die Betonung liegt auf der Sprache (Sprache als Werkzeug der Täuschung). Wenn es nur darum geht, den Gutachter auszutricksen, dann beschreibt der Klient damit aber auch eine Beziehung zu sich selbst, denn er hat die unbewußte Phantasie in sich selbst ebenfalls einen Gutachter zu tragen. Das lässt dann eher nicht hoffen, dass der MPU-Kandidat sich in der Zukunft anders im Straßenverkehr verhalten wird wie zuvor. Schließlich gibt es keinen inneren Gutachter, der etwas zu sagen hätte. Er wird genauso ausgetrickst wie der äußere.

Der MPU-Kandidat will in solchen Fällen Es geht darum was der Psychologe denken könnte und nicht darum was die Wahrheit ist. Außerdem wird der Psychologe für sehr selbstverliebt gehalten. Das Gutachten hat also nicht dem Zweck, der Verkehrssicherheit zu dienen, sondern dient eigentlich nur dazu, die krankhafte Selbstverliebtheit einer mächtigen Person zu befriedigen.

Weitere Vermeidungsstrategien könnten sein:

MPU-Foren und verallgemeinerndes Denken

Auf sogenannten MPU-Foren geben Betroffene, die bei einer Begutachtung waren, vermeintliche Erkenntnisse über diese Begutachtung weiter. Die dort weitergegebenen Einsichten haben fast alle eines gemeinsam: Sie bewegen sich auf einer hohen Abstraktionsstufe. Von diesem Abstraktionsniveau aus wird auf vermeintliche Gesetze über die Begutachtung der Fahreignung geschlossen. Eines dieser Gesetze lautet: "Bei der ersten Begutachtung fallen sowieso alle durch!" Dieses Gesetz passt nicht zu den Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (Erfolgsbilanz).

Es wird so getan, als ob es nur eine Art von Menschen geben würde. Für diesen virtuellen Menschen wird dann definiert was die richtigen Aussagen und Sätze sind, um ein positives Gutachten zu erhalten. Ein Beispiel: "Es muss immer ein Partnerschaftsproblem bestanden haben, das mit Hilfe von Substanzen Missbrauch "gelöst" wurde." Das ist ein erstaunlicher Allwissenheitsanspruch und geht an der Wirklichkeit vorbei.

Die MPU ist eine zweite Chance für den Kraftfahrer. Man könnte einfach aufgrund der Aktenlage entscheiden und aufgrund von Statistiken. Es gibt aber ein persönliches Gespräch mit einem Verkehrsmediziner und einem Verkehrspsychologen. Die Beurteilungskriterien für Fahreignung, die für den Gutachter verpflichtend sind, bewegen sich zu einem großen Prozentsatz auf einem deutlich niedrigeren Abstraktionsniveau und sind viel konkreter als die Überlegungen in MPU-Foren. Sie sind näher an der praktischen Lebenswirklichkeit der Betroffenen. Begutachtung für Fahreignung ist eine individuelle und persönliche Angelegenheit. Und genau das ist das Problem für bestimmte MPU-Kandidaten.

Das Denken, dass die MPU ausschließlich Ausbeutung (Abzocke) sei

Hier muss man unterscheiden zwischen a) Menschen, die zur MPU müssen und b) Menschen, die nicht zur MPU müssen.

a) Menschen, die zur MPU müssen.

Hier gibt es bei bestimmten MPU-Kandidaten den starken Gedanken, dass es sich bei der MPU um finanzielle Ausbeutung von Hilflosen handelt. Da gibt es die große Angst vor den Psychologen, die dem MPU-Kandidaten so erscheinen, als wollten sie ihm aus allem, was er sagt, einen Strick drehen. In so einer Stimmung ist die Zusammenarbeit mit einem Psychologen kaum möglich. Es ist nicht denkbar, dass beide Seiten von der Begegnung profitieren könnten.

Wenn diese Haltung sehr ausgeprägt ist, dann kommt für die Vorbereitung auf die MPU kein Psychologe in Frage. Diese Lücke füllen dann Fahrlehrer bzw.Personen ohne Psychologiestudium. "Ich bin Dein Freund!" ist häufig die Botschaft. Das heißt indirekt: "Irgendwo gibt es einen Feind!" Warum Menschen, die zur MPU müssen, Psychologen als Feind erleben interessiert aber den Fahrlehrer nicht.

b) Menschen, die nicht zur MPU müssen.

Ein Studie vom Verband der TÜV e.V. demonstriert, dass die MPU in Deutschland hoch angesehen ist. Nur 12 % der Befragten waren dafür, dass man nach absolvierter Sperrfrist die Fahrerlaubnis ohne weitere Überprüfung dem Betroffenen zurückgeben sollte.

Andererseits muss man aber zur Ehrenrettung der MPU-Kandidaten sagen, dass für bestimmte Betroffene der Entzug der Fahrerlaubnis einen Umstand darstellt, den sie für eine Neuorientierung in ihrem gesamten Leben nutzen. Sie wollen etwas verändern! Sie suchen sich einen ernstzunehmenden Gesprächspartner, der sie dabei unterstützt. Sie wählen dann mit Bedacht einen Verkehrspsychologen.

Die Mythen über die MPU (kollektive Vorstellungen über die Fahreignungsbegutachtung) kann man als voreiliges Denken auf einem hohen Abstraktionsniveau verstehen.

Gedankenlosigkeit und Denken

Für einen Gutachter stellt sich die Frage: "Kann ein Mensch aus der Erfahrung, die er gemacht hat, lernen?" Echte Einsicht trägt Züge von Individualität. Wichtige Erkenntnisse drücken Menschen in einer sehr eigenen Sprache aus, eben weil sie ihnen wichtig sind. Man muss kein Fahreignungsgutachter sein, um zu merken ob jemandem etwas wichtig ist und ob er wirklich nachgedacht hat, oder ob er auf sehr oberflächliche Art und Weise mit der Erfahrung umgeht, die er nun machen musste. Es ist ein Zeichen von Oberflächlichkeit und mangelndem eigenen Denken, wenn der MPU-Kandidat mit auswendiggelernten Geschichten einen Gutachter zu beeindrucken versucht.

Manche Klienten können sich nicht erklären warum sie ihre Regelverstöße gemacht haben. Wenn man sie darauf anspricht, dann kommen Aussagen wie:
Es ist wie eine Wand. Es geht um etwas Unaussprechbares und Unerträgliches. Allerdings lautet die Forderung, die an den MPU-Kandidaten gestellt wird, seine Vergangenheit zu verarbeiten, also gerade darüber zu sprechen worüber er nicht sprechen kann. Verarbeitung und Selbsterkenntnis sind die Forderungen der Beurteilungskriterien für Fahreignung. Missverstanden wird das oft als: "Der Kandidat muss auf bestimmte Fragen bestimmte vorgefertigte Antworten geben", so als sei die MPU eine Maschine, die alle Menschen gleich machen möchte - oder als seien Psychologen Eltern, denen ihre Kinder gleichgültig sind. Der MPU-Kandidat muss in Wahrheit keine vorgefertigten richtigen Antworten geben, aber er muss überhaupt welche geben können. Und das ist das Problem, denn manchmal stellt sich nämlich heraus das er keine hat.

Julian Lousade hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Es geht ihm darum, dieses Nichtdenken genauer zu beschreiben. Er erzählt einen Witz: Zwei kleine Fische schwimmen in eine Richtung im Meer. Zu ihrer Überraschung kommt ihnen eine großer hässlicher Fisch entgegen, der in die genau entgegengesetzte Richtung schwimmt. Als er vorbeischwimmt, wendet er sich den beiden kleinen Fischen zu und sagt: "Das ist ein schöner Tag, um im Wasser zu sein, Jungs!" Sie nicken und schwimmen in ihre Richtung weiter. Daraufhin fragt der jüngeren kleine Fisch den anderen: "Was ist Wasser?"

Die Fähigkeit zu wissen, wo man sich gerade befindet, kontextmäßig und emotional, ist nie völlig sicher. Man muss sozusagen aus sich selber heraustreten, um zu sehen wo man ist. - Man muss gewissermaßen eine dritte Position einnehmen. - Zusätzlich muss man die Neugierde und die Fähigkeit haben, zu erkennen wie es einem gerade geht.

Wir sind wie die kleinen Fische, wenn wir denken, dass wir auf der Welt die Einzigen sind, oder glauben, ihre wichtigsten Insassen zu sein. Das bewirkt, dass wir unerwünschten Überraschungen begegnen (Julian Lousada).

Das gilt auch für den Kraftfahrer. Nehmen wir als Beispiel Herrn Maier und seine Beziehung zum Alkohol. Es schleicht sich da am Wochenende etwas ein. Herr Maier konsumieren vermehrt Alkohol. Immer häufiger fährt er mit drei Halben. Abhängig von der Konsumgeschwindigkeit sind das 0,5 Promille. - 1,5 L Bier in 4 Stunden bei 72 kg Mann ergibt 0,49 Promille. - Nach einer Weile fährt er auch nach einem Alkoholkonsum, der zu höheren Promillezahlen führen müsste. Er denkt, dass er beurteilen könnne, dass dabei nichts passieren wird. Er rechnet aber überhaupt nicht nach wie viel Alkohol er eigentlich am Wochenende konsumieret und wie oft das der Fall ist. Er zählt nicht seine Räusche. Es fällt ihm nicht auf, dass sich die Relationen in Sachen Alkohol verschieben. Für ihn wird es normal. Warnende Stimmen ignorieren er. Vielleicht trinkt er unter der Woche, vielleicht aber auch nicht.

In dem Augenblick, in dem er dann doch einmal von einem Polizisten kontrolliert wird und gefragt wird, ob er Alkohol getrunken habe, wacht er in einer neuen Realität auf. Er sitzt dann im Polizeiauto und fährt zur Blutanalyse. Während dieser Fahrt ist er völlig ratlos und panisch. Er weiß nicht was er jetzt tun soll. Die Panik und Ratlosigkeit besteht noch in den Folgetagen fort und wird unerträglich. Er versucht dann, den Zustand zu beenden indem er zu sich selbst sagt, dass er die Fahrerlaubnis nicht benötigt. Bei der MPU wird gefordert, dass ein Mensch wirklich über sich nachdenkt. Das scheint aber, unendlich schwer zu sein. Irgendwie gibt es die Angst, dass das Denken selbst etwas Zerstörerisches sei (Wilfred Bion).

Manchmal verläuft die Fahrt im Polizeiauto anders. Herrn Maier gehen bei der Fahrt zur Blutanalyse "hunderte" Gedanken durch den Kopf und er beschließt, in seinem Leben grundlegend etwas zu ändern.

Echtes Denken und Pseudodenken

Man kann zwischen echtem Denken und Pseudodenken unterscheiden. Es gibt viele Möglichkeiten vor der Aufgabe, die in einer solchen Begutachtung steckt, zu flüchten.

Selbstreflexion

Als MPU-Kandidat sollte man lernen, die schlechten Seiten an sich selbst zu sehen und mit diesen Seiten zu leben. Die Vorbereitung auf die MPU soll das Bewusstsein des Klienten fördern. Der Fahreignungsgutachter will wissen wie gut die Kenntnis des Klienten über sich selbst entwickelt ist. Hier geht es auch darum, verhängnisvolle Beziehungen zu Konsumkollegen besser zu verstehen.

Manchmal bereuen Klienten ihre Tat sehr, können aber über die Gründe für ihr damaliges Verhalten wenig sagen. Das spricht nicht für eine Verarbeitung der Problematik, die zum Entzug der Fahrerlaubnis geführt hat.

Schauspielunterricht

Der Wunsch nach sofortiger Ungeschehenmachung und sofortiger Wiederherstellung ist groß, aber ein Training auf einen kurzfristigen Erfolg bei der MPU ist wertlos. Das ist die Erfahrung aus den Lebensläufen, die man bei MPU Kandidaten beobachtet. Je häufiger ein Mensch mit der MPU konfrontiert war, desto wahrscheinlich ist es, dass sich die Geschichte wiederholt. Es gibt geradezu MPU-Lebensläufe!

Der Nachweis von Stunden bei einem Verkehrspsychologen wird auch deshalb so hoch bewertet, weil man daran ablesen kann, dass der Klient eine Veränderung will und bereit ist, über sich selbst nachzudenken. Allerdings trifft der Schluss eben nicht zwangsläufig zu. Die Vorbereitung kann zu einem Schauspielunterricht entarten. Es ist daher die Betrachtung durch eine weitere unabhängige Person notwendig. Das Gutachten kann man als eine Qualitätskontrolle der Rehabilitation als Kraftfahrer ansehen. Es ist eine Art "Authentizitätsüberprüfung" oder "Echtheitskontrolle".

Die Frage bleibt natürlich bestehen, warum sich bestimmte Menschen einen Schauspielunterricht für Ihre Vorbereitung auf die MPU heraussuchen und andere einen Verkehrspsychologen (mehr: Schwierigkeiten bei der Psychotherapie, Ausleben der Übertragung).

MPU-Spezialisten

Die Verlockung ist groß, nach einer allwissenden Person Ausschau zu halten, die verspricht, dass man Psychologen "austricksen" kann. Der MPU-Kandidat unterwirft sich äußerlich dieser Person und lernt blind bestimmte Botschaften auswendig. Er will nur wissen "was man da sagt". Es ist völlig gleichgültig, ob das wahr ist oder nicht. Der Wert, den die Wahrheit darstellt, wird in diesem Fall als sehr gering eingeschätzt. Es ist naheliegend, dass diese Herangehensweise nicht wirklich zu einem Erfolg führen kann.

Garantien

Sogenannte "Garantieangebote" sind deshalb so häufig, und deshalb so ein Problem, weil der Bequemlichkeit des Menschen entgegengekommen wird. Die Botschaft lautet: "Wir denken für Sie!" Der Klient sitzt dann oft innerlich lächelnd und gedankenleer in seiner Beratungsstunde. Er sieht keinen Grund, wirklich zu arbeiten. Ihm wurde schließlich garantiert, dass alles glatt läuft. Ein MPU-Berater kann die Veränderung aber nicht für den Klienten bewerkstelligen.

MPU-Bücher

Bei MPU-Büchern kommt aber darauf an zu welchem Zweck sie benutzt werden. Bücher helfen nicht weiter, wenn sie als Ersatz für etwas genommen werden, dass man nicht ersetzen kann.

Verantwortung und Fahreignung

Das zentrale Thema bei der MPU ist Verantwortung! Wenn man die Sache entwicklungspsychologisch betrachtet, dann ist es verständlich das man als MPU-Kandidat eine Person sucht, die für einen das Problem löst. Es ist wie bei einem kleinen Kind. Wenn ein kleines Kind sein Spielzeug zerstört hat, dann geht es zu seiner Mutter und bittet sie, das Spielzeug zu reparieren. Das Kind ist nicht reif genug, um Verantwortung für sein Tun zu übernehmen. Außerdem hat es den Wunsch, dass es eine Person gibt, die all seine Destruktivität ungeschehen machen kann.

MPU-Berater, die ihre Klienten an die Hand nehmen und versprechen, sie durch die MPU zu führen, bieten sich als eine solche Mutter an. Das ist menschlich verständlich. Nur spricht das nicht für die Fahreignung einer Person, wenn sie nicht bereit ist die Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. Wieso sollte ein Mensch, der sich immer dann hinter seinem MPU-Berater versteckt, wenn es um seine Verantwortung geht, geeignet sein, verantwortungsvoll ein Fahrzeug zu führen?

Es wirkt so, als hätten sich bestimmte Anbieter in der MPU-Branche auf die selbst gewählte Unmündigkeit ihrer Klienten spezialisiert. Immanuel Kant, ein deutscher Philosoph der Aufklärung, hat sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt. Er sagt: "Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum es anderen so leicht wird, ... sich zu Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem faul zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann."

Quelle: Immanuel Kant, Berlinische Monatsschrift. Dezember-Heft 1784. S.481 - 494. Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Kant wünscht sich einen aufgeklärten Schüler (Zeitalter der Aufklärung). Er sagt zu seinen Schülern, dass Sie den Mut haben sollen, sich ihres Verstandes zu bedienen. "Der Schüler soll nicht Gedanken, sondern denken lernen; man soll ihn nicht tragen, sondern leiten, wenn man will, dass er in Zukunft von sich selbst zu gehen geschickt sein soll."

Tilgungsfristen und Tilgungshemmung bei Eintragungen im Fahreignungsregister

Für Fälle nach 01.01.1999 gilt: Wenn ein Klient nach Entzug der Fahrerlaubnis es nicht schafft, innerhalb von 5 Jahren eine positives Fahreignungsgutachten vorzulegen, dann bleibt der Entzug der Fahrerlaubnis bestehen. Hier hat der Gesetzgeber festgelegt, dass diese 5 Jahre die Zeit die Anlaufhemmung bzw. Tilgungshemmung sind. Anlaufhemmung bzw. Tilgungshemmung bedeutet, dass die Tilgungsfrist erst nach diesen 5 Jahren zu laufen beginnt. Es kommen dann also noch 10 Jahre Tilgung hinzu (Summe: 15 Jahre). Schafft der Klient innerhalb von 5 Jahren aber eine positive MPU, dann läuft ab da die Tilgungsfrist von 10 Jahren (§ 29 Abs.5 StVG). Die Formulierung im Gesetz (§ 29 Absatz 5 Straßenverkehrsgesetzt) ist schwer verständlich (s.a. Verkehrslexikon.de, Tilgungsfristen). Der Leser sollte sich persönlich bei der Sachbearbeiterin der Führerscheinstelle informieren, um rechtliche Gewissheit herzustellen.



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