THC - ETG Ethylglucoronid, Abstinenz von Cannabis und Alkohol - (CTU), Chemisch
≡ ...

MPU Analyse: Alkoholkonsum, Drogen Nachweisbarkeit von Suchtstoffen in der Chemisch-Toxikologische-Untersuchung (CTU)

Alkohol Ethylglucuronid (ETG) und Cannabis bzw. Tetrahydrocannabinol (THC)


Wann immer man im Blut von einer Person Alkohol, Betäubungsmittel bzw. Drogen, findet, so geht diese Information in die Führerscheinakte der Person.

Spurenanalytik
Hat die Polizei einen Verdacht auf einen Verstoß gegen das BTMG bzw. auf Drogen im Straßenverkehr (gerötete Augen, verlangsamte Sprache, usw.), so kann sie eine Blutanalyse anordnen. Das Blut wird an ein toxikologisches Labor, das im Blutserum nach Spuren bestimmter Drogen fahndet (Spurenanalytik), gesandt. - Toxikologie ist die Lehre von den Giften (Giftkunde). - Das toxikologische Labor sendet das Ergebnis seiner Analyse an die Polizei und diese sendet es an den Staatsanwalt, der einen Strafbefehl wegen Verstoß gegen das BTMG erlässt.

Mistra
Nach der Verordnung über Mittelungen in Strafsachen (Mistra), sind personenbezogene Daten an die Führerscheinstelle zu melden, wenn im Strafverfahren Tatsachen bekannt werden die Bedeutung für die Fahreignung eines Fahrerlaubnisinhabers haben (Fahrerlaubnnisverordnung (FEV) Anlage 18 zu Nummer 45 Mistra). Das bedeutet: Wann immer eine toxikologische Untersuchung der Blutprobe positiv auf Suchtstoff ausfällt ergeht eine Meldung an die Führerscheinstelle (Andreas Patermann et al 2015, S.156).

Inhaltsverzeichnis

1 Spurenanalytik, BTMG
1.2 Mistra
2 Chemisch-Toxikologische-Untersuchung (CTU)
3 Nachweis über Suchtstofffreiheit
3.1 Haaranalyse
3.2 Alkohol
3.2.1 Ethylglucuronid, Messwert
3.3 Drogen
3.4 Cannabis
4 Aktiver Konsum oder Umgang mit Drogen?
4.1 Spurenanalytik, Nannogramm
4.2 Liquid-Chromatography-Tandem-Mass-Spectrometry
4.3 Passivkonsum Suchtstoff im Haar nachweisbar
4.4 Blindheit für eigenen Passivkonsum
4.5 Erwartungen an Rehabilitation als Kraftfahrer
4.6 Verhängnisvolle Bindung zu Suchtstoffkonsumenten
4.6.1 Unterschied Haaranalyse Urinanalyse
4.6.2 Problematische Antwort
4.7 Passivkonsum von Cannabis und Autofahren
5 Regelmäßiger Konsum erhöhte Nachweisdauer
6 Toleranzsteigerung
6.1 Pharmakokinetik, veränderte
6.1.2 Mehr Gras vertragen
7 Cannabinoide, Langzeitfolgen
7.1 Wasserlabyrinth, Morris
8 Toxikologisches Labor finden

Chemisch-Toxikologische-Untersuchung (CTU)


Zum medizinischen Teil der Medizinisch Psychologischen Untersuchung" (MPU) gehört die Chemisch-Toxikologische-Untersuchung (CTU). Bei der CTU unterscheidet man die Haaranalyse, die Urinanalyse und die Serumanalyse (Blutserum).

Bei den Themen Alkohol" und "Drogen" gibt es die Möglichkeit, dass sich der Gutachter Hilfe von der Medizin holen kann. Man kann Nachweisen, dass sich Körper der Person Substanzen befinden, die dort nicht hingehören. Man findet unter Umständen nicht die Muttersubstanz, aber man findet das Stoffwechselprodukt, das entsteht, wenn die Substanz abgebaut wird (Metabolit).

Bei Alkohol ist das Mutterprodukt Ethanol (C2H6O). Wenn Ethanol abgebaut wird entsteht Ethylglucuronid (ETG). Dieses ETG setzt sind in den Haaren ab und kann dort noch 3 Monate später nachgewiesen werden.

Bei Cannabis ist das Mutterprodukt Tetrahydrocannabinol (THC). Wenn THC abgebaut wird, dann entsteht THC-Carbonsäure (THC-COOH). Konsumiert eine Person oft, so bildet sie ein Carbonsäure-Depot. Dieses Depot kann man nachweisen. Die Größe dieses Depots, der Depotwert, verrät etwas über die Häufigkeit des Konsums. Ein höhere Depotwert spricht daher für regelmäßigen Konsum (siehe Daldrup-Tabelle).

Anders als bei Alkohol (MPU-Bedeutungsvarianten von Alkohol) und Drogen ist das natürlich bei Verkehrsdelikten bzw. Punkten. Da gibt es gar nichts Medizinisches im Sinne von chemischer Analytik.

Nachweis über Suchtstofffreiheit


Abstinenz bedeutet sich enthalten, sich fernhalten. In der Behandlung von Suchterkrankungen muss man sich von den Suchtmitteln fernhalten. Ein kontrollierter Konsum des Suchtstoffs würde letztlich nur zu einem Rückfall führen (trockener Alkoholiker oder cleaner Drogenabhängiger). Cannabinoide entfaltet ebenfalls ein großes Suchtpotential. Auch hier ist, wenn eine bestimmte Schwelle überschritten ist, nur noch Abstinenz das Mittel der Wahl. Die Nachweise eines toxikologischen Labores darüber, dass man im Urin oder Haar eines Betroffene für einen bestimmten Zeitraum die fraglichen Suchtstoffe nicht gefunden hat, nennt man "Abstinenznachweise".

Haaranalyse

Haare stellen ein geeignetes Untersuchungsmaterial zur Überprüfung von Alkohol- oder Drogenkonsum dar. In den Haaren werden Stoffwechselprodukte (Metabolite) beim Konsum von Alkohol oder Drogen eingelagert. Man kann anhand der Menge der Stoffwechselprodukte Rückschlüsse auf den Konsum ziehen. Da die Haare sehr gleichmäßig wachsen, pro Monat einen Zentimeter. Wenn man also drei Zentimeter kopfhautnahes Haar auf ETG (s.u.) analysiert, dann kann man einen Zeitraum von drei Monaten überblicken. Man kann mit diesem Analyseverfahren im Gegensatz zu Urinkontrollen auch in die Vergangenheit "schauen"(Beurteilungskriterien, 3.Auflage, S.252).

Alkohol

Früher hat man mit Hilfe von Leberwerten den Alkoholkonsum analysiert. Manchmal ist der Betroffene der Meinung, dass bei einer Alkoholfragestellung anhand der Leberwerte Abstinenz belegt werden kann. Das trifft auch zu, es muss aber ein lückenloser Nachweis geführt werden. Es müssen also mindestens alle zwei Monate die Leberwerte erhoben werden. Häufig verfügt der Klient aber nur über einen einzigen Nachweis aus dem letzten Jahr. Das ist kein Abstinenzhinweis oder -nachweis.

Messwert Ethylglucoronid
Die Leberwerte sind aber innerhalb von 14 Tagen wieder unauffällig. Die Nachweisbarkeit von Alkoholmissbrauch ist mit Leberwerten daher nicht so gut. Heute bedient man sich beim Thema "Alkohol" nicht mehr so sehr der Leberwerte (GOT, GPT und GGT), sondern die Nachweisbarkeit von Alkoholkonsum in der Vergangenheit ist durch den Messwert Ethylglucuronid deutlich verbessert worden. Anhand von Stichproben beim ETG-Wert kann man zurückblickend über einem bestimmten Zeitraum überprüfen, ob die Person Alkohol konsumiert hat oder nicht.

Der Wert "ETG" lässt sich im Urin und in den Haaren nachweisen. Der Nachweis per Haaranalyse ist eigentlich der überzeugendste Nachweis. Ein Nachweis über die Urinanalyse wird dennoch ebenfalls akzeptiert. Hier muss man anhand des konkreten Einzelfalls überlegen was die Vor- und Nachteile jeweils sind.

Der Möglichkeiten der Diagnostik haben sich verbessert. Heute bedient man sich des Messwertes Ethylglucuronid (ETG). ETG lässt sich im Urin nachweisen. Eine kleine Menge Alkohol (Glas Sekt) lässt sich noch innerhalb von 24 Stunden nachweisen. Größere Mengen Alkohol kann man länger nachweisen. Man kann nun einen Zeitraum bestimmen und in diesem Zeitraum den Klienten zu Abstinenzuntersuchungen einbestellen. Man macht das stichprobenartig, so dass der Klient niemals weiß, wann er einberufen wird. Konsumiert der Klient im vereinbarten Abstinenzzeitraum dennoch Alkohol, so muss er ständig die Angst haben, einbestellt zu werden. Ist die Untersuchung dann bei ihm positiv, wird also ETG nachgewiesen, so beendet das toxikologische Labor das Abstinenzprogramm sofort. Übliche Abstinenzprogramm sind: Sechs Monate mit vier Urinanalysen und zwölf Monate mit sechs Urinanalysen.

Noch zuverlässiger als die Urinanalyse von ETG ist die Haaranalyse von ETG. Findet man 6 pg/mg (pg = Pikogramm, mg = Milligramm) so kann man von Alkoholkonsum ausgehen. In diesem Fall hätte man aber lediglich risikoarmen Konsum nachgewiesen. Ab 30 Pikogramm geht man von stark erhöhten Alkoholkonsum aus (YEGLES et al. 2004, KITZ 2012).

ETG wird mit der Haarpflege (Schampon) wieder aus den Haaren herausgewaschen. Seit dem 1.Mai 2014 darf man daher nur noch 3 cm Haar auf ETG untersuchen. Mit einer einmaligen Haaranalyse kann man also nur 3 Monate abdecken, zurückblickende Analyse.

Drogen

Bei der Überprüfung auf Drogenkonsum - polytoxikologische Untersuchung - sind seit dem 1.Mai 2014 nur noch 6 cm Haarlänge erlaubt (6 cm Haar). Auch hier kommt es mit der Zeit zu einer Verringerung der Substanzen, die beim Abbau der Drogen im Haar eingelagert werden (Beurteilungskriterien, 3. Auflage).

Cannabis
Cannabis ist ein Sammelbegriff für Hanfpflanzen. Die weiblichen Hanfpflanzen heißen Marihuana. Psychoaktive wirkt vor allem das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol (THC). THC wirkt auf die Informationsverarbeitung des Menschen.

Aktiver Konsum von Drogen oder Umgang mit Drogen?


Die Spurenanalytik ist heute sehr weit gekommen. Man kann in den Bereich Nannogramm pro Milliliter (ng/ml) hinabsteigen. Man kann z.B. im Blut nachweisen, ob sich jemand in Räumen aufhält, in denen andere Cannabis konsumieren, weil man soweit hinunteruntermessen kann. Früher war man bei einem Cut off von 50 ng/ml heute ist der offizielle Cut Off Wert bei 10 ng/ml, der inoffizielle liegt aber bei 1 ng/ml.

Liquid Chromatographie Tandem Massenspektrometrie (LC-MS/MS)

Mit einem LC-MS/MS ist das möglich. Der Anschaffungspreis für ein solches Messgerät beträgt allerdings 500 000,- € und daher sind die Kosten für eine Blutanalyse hoch. Labor Enders in Stuttgart oder die Gesellschaft für Rechtsmedizinische Untersuchungen und Sachverständigentätigkeit mbH (GRUS) in Tübingen verfügen darüber. Aktuell sendet die Polizei ihr Probenmaterial vermutlich im ganzen Süden von Deutschland zur GRUS. Die Untersuchung kostet den Staat durchaus Geld, dass er sich später vom Bürger zurückholt.

Man muss also unterscheiden zwischen einem aktivem Konsum und dem Umgang mit dem Stoff. Man könnte mit einem LC-MS/MS zwischen aktivem Konsum und Umgang unterscheiden. Wenn man den Metabolit (Stoffwechselprodukt) THC-Carbonsäure (THC-COOH) im Haar findet, dann weiß man, dass THC geraucht wurde. Es gab eine Körperpassage (Beurteilungskriterien, 3.Auflage, S.255). Der Witz ist nur, dass man mit einem LC-MS/MS nicht nach THC-Carbonsäure sucht. Das Gesetz will es so.

Bei Passivkonsum ist der Suchtstoff im Haar nachweisbar

Das Gesetz fordert, dass das toxikologische Labor im Haar nach der Muttersubstanz sucht. Die Muttersubstanz von Tetrahydrocannabinol (THC) ist eben Tetrahydrocannabionol (THC) und nicht der Metabolit (Stoffwechselprodukt) THC-Carbonsäure (THC-C00H). Wenn eine Person sich fünf Stunden in einem Raum aufgehalten hat, in dem ein paar andere Personen THC rauchen, dann geht das THC erst an das Haar und dann geht es in das Haar. Man kann dann mittels Liquid Chromatographie Tandem Massenspektrometrie (LC-MS/MS) eben das Tetrahydrocannabinol (THC) nachweisen. Damit ist ein THC-Umgang belegt. Die Suche nach THC ist dann erfolgreich verlaufen. Es kann vom toxikologischen Labor keine Abstinenz bescheinigt werden. Man muss hier von einem Umgang mit THC-haltigen Produkten ausgehen (s.a. verkehrsportal.de, Mitglieds-Nr.: 75400).

Wenn drogenkonsumierende Eltern mit Ihren Kindern umgehen (Kontakt haben), dann geben sie diese Drogen über den eigenen Körperschweiß an die Kinder ab. Man findet dann im Haar von einem siebenjährigen Kind THC mit Liquid Chromatographie Tandem Massenspektrometrie (LC-MS/MS).

Blindheit für den eigenen Passivkonsum bei ehemaligen Aktivkonsumenten
Es kann sein, dass es einem MPU Kandidaten nicht auffällt, dass er passiv konsumiert. So kann ein MPU Kandidat eine Haaranalyse über sechs Monate absolvieren und im toxikologischen Befund clean sein. Wenn er dann seine zweite Analyse über sechs Monate absolviert, kann er aber positiv auf THC sein, obwohl er überzeugend versichert, dass er selbst kein Cannabis konsumiert hat. Was dieser Person aber völlig entgeht ist der Umstand, dass sie Freunde hat, die Cannabis konsumieren. Und sie sitzt mit diesen Freunden gelegentlich in einem geschlossen Raum. Das ist natürlich Passivkonsum von THC und in den Haaren mittels einem LC-MS/MS nachweisbar.

Erwartungen an die Rehabilitation als Kraftfahrer
Von einer Person, die zwei Mal mit Betäubungsmitteln im Straßenverkehr aufgefallen ist, besonders wenn sie schon älter ist und es daher eine langen ungeklärten Zeitraum von möglichem Drogenkonsum gibt, erwartet man, dass sie einen Bogen um Cannabiskonsumenten macht. Man sieht das als eine Rückfallvermeidungsstrategie an. Aber auch eine Person im Alter von 20 - 30 Jahren sollte sich überlegen wen sie wirklich als ihre Freunde betrachten will.

Verhängnisvolle Bindung zu Suchtstoffkonsumenten
Die Bindung an die Konsumkollegen und Freunde von früher kann sehr weitreichende Folgen haben. Die Bindung kann dem Betroffenen zum Beispiel ein "Bein stellen" beim Abstinenznachweis. Ein Fallbeispiel soll dies veranschaulichen.

M.S. war 20 Jahre alt. Er hat seine Ausbildung als Anlagenmechaniker absolviert. Er wurde gerade fertig und stand vor seiner Übernahme in den Heizung- u. Sanitär-Betrieb, in dem er auch seine Lehre absolviert hatte. Es handelt sich um einen kleinen Handwerksbetrieb. Es war geplant, dass M.S. dort im Außendienst eingesetzt wird. Dazu benötigte er natürlich seinen Führerschein.

In der Vergangenheit hat M.S. gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen (Besitz von 3 g THC). Ihm wurde daraufhin der Führerschein entzogen. Da er auch mit harten Drogen (Amphetamin) aufgefallen war musste er zwölf Monate Abstinenz nachweisen. Das wäre eigentlich nicht weiter schlimm gewesen, da er schon für die Dauer von sechs Monaten kein THC und Amphetamin konsumiert hatte. Man hätte bei ihm also eine Haaranalyse durchführen können. Sechs Zentimeter Haare trug er schon auf seinem Kopf. Doch dann kam alles anders.

Unterschied Haaranalyse und Urinanalyse
Hier muss man noch kurz den Unterschied von Haaranalyse und Urinanalyse erklären. Bei einer Haaranalyse kann man sechs Monate "zurückanalysieren". Bei einer Urinanalyse kann man aber nur zwei bis vier Tage "zurückverfolgen" was konsumiert wurde. Bei einer Urinanalyse kann man nur in die Zukunft gerichtet analysieren. Man muss also zwölf Monaten warten und in dieser Zeit sechs Stichproben absolvieren, wenn man einen Zeitraum von zwölf Monaten abdecken muss.

M.S. freute sich über die Möglichkeit, mit Hilfe einer Haaranalyse den Zeitraum von zwölf Monaten um sechs Monaten verkürzen zu können. Doch dann fiel ihm siedend ein, dass er das letzte Wochenende seine Freunde von früher einmal besucht hatte. Er betonte, dass es nur ein einziges Mal war. Er hatte sie zuvor für sechs Monate nicht mehr gesehen. Er saß bei diesem Treffen allerdings mit ihnen in einem geschlossenen Raum. In diesem Raum konsumierten ehemaligen Bekannten Marihuana. Vier Personen rauchten in einem geschlossenen Raum für die Dauer von fünf Stunden Marihuana. Die Luft war mit dem Haschich-Rauch angereichert. Ein Chemiker würde hier sagen: "Das THC gelangte bei dieser Gelegenheit zuerst "an das Haar" und später "in das Haar". Dort kann man es dann nachweisen." M.S. musste also auf den sechsmonatigen Rückblick mittels einer Haaranalyse verzichten, da man sich ausrechnen konnte, dass eine Haaranalyse positiv auf THC ausfallen würde. Er konnte es kaum aushalten zu begreifen, dass er mit einem einzigen Besuch seiner ehemaligen Konsumkollegen sich selbst derart geschädigt hatte.

Problematische Antwort
Eine problematische Antwort auf all das ist es, zu Urinanalysen Zuflucht zu nehmen. Urinanalysen sind für einen Gutachter nicht so aussagekräftig wie Haaranalysen. Sie können leicht unterlaufen werden. Das weiß der Guatchter auch.

Passivkonsum von Cannabis und Autofahren
Man kann sich als Autofahrer nicht darauf berufen, dass man selbst nicht geraucht hat und nur Passivraucher war. Beim Verwaltungsgerichtes Gelsenkirchen wurde ein solcher Fall verhandelt. Die Richter wiesen die Klage gegen den Entzug der Fahrerlaubnis ab. Sie waren der Meinung, dass auch Passivraucher damit rechnen müssen, durch Inhalation von Cannabisrauch in ihrer Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt zu werden. Wenn sich eine Person längere Zeit in einem Raum aufhält in dem Cannabisrauchschwaden stehen, so ist diese Art von passivem Konsum ein bewusster Konsum.

Regelmäßiger Konsum erhöhte die Nachweisdauer


Es gibt die sogenannte 24-Stunden Regel, die besagt, dass man nach 24 Stunden von THC nichts mehr im Blut finden könnte. Gemeint ist hier das THC-COOH bzw. die THC-Carbonsäure. THC selbst hat eine primäre Halbwertszeit von einer Stunde. Nach einer Stunde ist die Hälfte von Thetrahyrocannabinol abgebaut. Der Aktiv-Wert - THC - kann bis 5 Stunden im Blut nachgewiesen werden. Der Witz ist nur, dass es bei regeläßigem Konsum ganz anders aussieht. Wer regemäßig THC konsumiert lagert THC und seine Abbauprodukte ins Fettgewebe ein. Pausen von drei Tagen, sogar zwei Wochen oder einem Monat, reichen nicht aus, damit dieses Depot abgebaut wird. Das ist ein Grundprinzip. Wenn man schneller zuführt, als der Körper abbauen kann, dann entsteht ein Depot. Dieses Depot nimmt der Betroffene nicht unmittelbar wahr. Dieses Depot setzt aber immer wieder THC oder THC-Carbonsäure in die Blutbahn frei. Es können noch Tage oder Wochen Reste von THC oder seiner Abbauprodukte im Blut nachgewiesen werden. Dies hat zur Folge, dass die Nachweiszeit um ein Vielfaches steigt.

Eine australische Studie hat gezeigt, dass der Abbau von THC nicht immer linear verlaufen muss. Bei starken Konsumenten ist es möglich, dass die Werte nicht gleichmäßig abfallen, sondern nach ein paar Tagen kurzzeitig wieder steigen. Es ist bei ihnen möglich, dass man in ihrem Blut noch einen Monat nach dem letzten Joint THC nachweisen kann, obwohl eine Blutanalyse ein paar Tage zuvor negativ ausfiel. Die logische Konsequenz hieraus ist, dass ein regelmäßiger THC-Konsument das Autofahren ganz einstellen sollte, da er sich niemals sicher sein kann, dass ein toxikologisches Labor nicht doch etwas in seinem Blut findet. Mit Liquid Chromatographie Tandem Massenspektrometrie (LC-MS/MS) kann man heute selbst noch nach einem Monat THC nachweisen. Der regelmäßige Konsument müsste sich für Abstinenz - dauerhaften Verzicht - entscheiden, und ihn schon eine Weile praktiziert haben, bevor er sich an ein Lenkrad setzen kann, ohne den Entzug seiner Fahrerlaubnis zu risikieren. 

Toleranzsteigerung


Wenn ein Mensch Drogen oder Alkohol konsumiert, dann stellt sich sein Körper darauf ein, da er sein natürliches Gleichgewicht aufrechterhalten "will" (Homöostase). Der Körper arbeitet daher der Drogenwirkung entgegen. Es gibt eine körperlichen Veränderungen bzw. eine Veränderung in der Pharmakokinetik. Die Person muss mehr von der Substanz konsumieren bzw. sie muss in kürzeren Abständen konsumieren, um die selbe Wirkung zu erzielen (Toleranzsteigerung). Diese kürzer werdenden Abständen führen im Fall von Cannabis zu der oben beschriebenen verhängnisvollen Depotbildung.

Mehr Gras vertragen

Oder wissenschaftlich gesprochen: "Wie kommt es zur Toleranzsteigerung gegenüber Cannabinoiden?" 1988 fand man ein endogenes Cannabinoid-System (endogen,"von Innen kommend"). Das soll heißen, der menschliche Körper selbst produziert hormonähnliche Substanzen, die auf die Cannabinoid-Rezeptoren wirken (Endocannabinoide). Es gibt zwei Arten von Cannabinoid-Rezeptoren. Die Wirkung von Marihuana wird über die CB1 Rezeptoren vermittelt. Im Fall von CB1 wirkt der Körper der Drogenwirkung dadurch entgegen, dass er im postsynaptischen Spalt die Anzahl der Cannabinoidrezeptoren erhöht, oder die Wiederaufnahme der Cannabinoid-Botenstoffe auf der präsynaptischen Seite verstärkt.

Eine Synapse ist eine neuronale Verbindung zwischen zwei Nervenzellen. Innerhalb einer Nervenzelle wird der Impuls elektrisch weitergeleiten, aber am Spalt zwischen zwei Nervenzellen wird er in eine chemische Substanz, einen Botenstoff, umgewandelt, der den Spalt überwindet und dann von der präsynaptischen Seite wieder aufgenommen wird.

Es werden mehr Cannabinoidrezeptoren geschaffen oder/und die Wiederaufnahme der Cannabinoid-Botenstoffe wird beschleunigt. Beides hat zur Folge, dass Cannabinoidtransmitter eine geringere Wirkung im Gehirn entfallten können. Der regelmäßige Konsument verträgt daher immer mehr und irgendwann "merkt" er gar nichts mehr. Er "hechelt" dem Rausch hinterher, denn sein Körper verhindert, dass er einen Rausch erleben kann. Im Blut kann man aber einen hohen THC-Gehalt messen (Toleranzsteigerung).

Wenn dieser Konsument nun sechs Monate nichts mehr konsumieren sollte, dann wird er von einer geringen Menge Marihuana berauscht. In den sechs Monaten hat der Körper die Anzahl der CB1 Rezeptoren im Gehirn reduziert und Cannabinoid-Botenstoffe werden im synaptischen Spalt nicht mehr so schnell abgebaut. Wenn er nun aber wieder regelmäßig konsumiert, dann setzt die Toleranz schneller ein als beim ersten Mal. Es gibt einen Wiederlern-Effekt. Wenn man einmal etwas gelernt hat und es dann vergisst, dann ist der zweite Anlauf nicht mehr so schwierig wie beim ersten Mal (Relearning-Effekt, Ersparnismethode von Hermann Ebbinghaus).

Bei Alkohol laufen vergleichbare Prozesse ab. Es gibt hier zwar nicht das Problem der Depotbildung, aber eine Toleranzsteigerung findet sich alle mal. Fällt eine Person mit einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1,1 Promille im Straßenverkehr auf, dann kann er noch mit dieser BAK unfallfrei ein Fahrzeug führen, während andere mit dieser BAK das Fahrzeug nicht mehr starten könnten. Auf den Gedanken kommt er nicht unbedingt, da er sich subjektiv für fahrtauglich hält. Absolute Fahruntauglichkeit ist der Wert von 1,1 Promille, gleichgültig wie nüchtern sich der Betroffene fühlen mag.

Langzeitfolgen beim Konsum vom Cannabinoide

Am Tiermodell, daher anhand von Mäusen, kann man experimentalpsychologisch belegen, dass der Konsum von Cannabinoiden zu Störungen des Arbeitsgedächtnisses führt. Die Frage ist nur wie hochfrequent der Konsum sein muss, z.B. täglich, und wieviel Jahre er andauern musste. Der Begriff "Arbeitsgedächtnis" ist unter Umständen nicht so vertraut wie der Begriff "Kurzzeitgedächtnis" (KZG). Das Arbeitsgedächtnis ist für den Lebensvollzug sehr wichtig. Gravierende Störungen würden bedeuten, dass die betroffene Person für den zwischenmenschlichen Austausch kaum noch geeignet erscheint. Sie würde sich nach zehn Minuten nicht mehr daran erinnern können was vor zehn Minuten gesprochen wurde. Mit einem solchen Menschen ist es nicht möglich, ein fruchtbares Gespräch zu führen. Die betroffene Person selbst kann nicht unter der Störung leiden. Alle negativen Erfahrungen hat sie nach zehn Minuten vergessen. Alzheimer Patienten wurden daher auch als "Happy Amnestic" bezeichnet. "Mneme" ist griechisch und bedeutet: "Erinnerung". Die Vorsilbe "A" zeigt die Abwesenheit oder die Störung von etwas an.

Morris Wasserlabyrinth
Bei der experimentellen Untersuchung des Effekts von Cannabinoiden bedient man sich eines bestimmten Versuchsaufbaus (Morris-Wasserlabyrinth). Die Maus wird dabei in ein mit Wasser gefülltes Becken gesetzt, aus dem sie nicht entkommen kann. An einer Stelle des Beckens befindet sich aber eine Art Insel, auf der sich die von der Erschöpfung bedrohte Maus erholen kann. Diese Insel befindet sich allerdings knapp unter dem Wasserspiegel und ist daher nicht sichbar. Wenn die Maus die Insel nach einer Weile erreicht hat, wird sie von der Insel genommen und der Versuch beginnt von vorne. Nadh wenigen Durchgängen schwimmt die Maus gezielt, und auf küzestem Wege, zur Insel und "irrt" nichtmehr im Becken umher. Mäuse mit Störungen des Arbeitsgedächtnisses schwimmen auch nach mehreren Durchgängen immer noch nicht direkt zur rettenden Insel. Sie würden bis zur Verzweiflung im Becken herumirren und schließlich untergehen, wenn man sie nicht retten würde.

Toxikologisches Labor finden


Je nach Konsumgeschichte kann ein Abstinenznachweis notwendig sein. Bei Konsum von harten Drogen sind in jeden Fall 12 Monate erforderlich, Bsp: Amphetamin. Und bei regelmäßigen Konsum von Cannabinoide sind ebenfalls 12 Monate erforderlich. Hier treten Firmen, die auch die Fahreignungsbegutachtung anbieten, als Zwischenhändler auf und schalten sich noch vor das toxikologische Labor. Man kann das toxikologische Labor aber direkt kontaktieren und benötigt nicht unbedingt den Zwischenhändler. Der Angestellte der Begutachtungsstelle (Fahreignungsgutachter) wird natürlich immer das Labor seines Dienstherren empfehlen, wenn er seinen Arbeitsplatz nicht gefährden will. Die toxikologischen Labore sind in der Regel sehr erfolgreiche Unternehmen, Abstinenznachweise sind nur ein Standbein und diese Labore sind in der Regel anerkannt. Man sollte aber schon auf die sogenannte Akkreditierung (akkredere, Glauben schenken) achten.

Zum medizinischen Teil der MPU: Chemisch-Toxikologische-Untersuchung, kurz CTU. Nachweisbarkeit von Suchtstoffen. Abstinenzbelege durch ETG-Analyse


» MPU Stuttgart
» Praxis
» Sitemap
» Impressum
» Datenschutz
» Was ist eine MPU?
» Verkehrspsychologe, MPU
» Experten
» MPU Fragen
» Erfolgsbilanz
» Informationsgespräch
» Preis
» MPU-Beratung
» Links
» Verkehrspsychologische MPU Beratungsstellen Deutschland

MPU Vorbereitung Köln



Verkehrspsychologe Reinhard Barth bei Google+
© 2011-2018 MPU-Vorbereitung Stuttgart - Dipl.Psych Barth, MPU Beratung - Die beste MPU-Vorbereitung? Eine Verkehrstherapie! MPU? Kein Idiotentest! - CTU, Haaranalyse, Urinanalyse, Alkohol, Cannabis, Abstinenz - Suchtstoffe und ihre Nachweisbarkeit, CTU oder ausführlich Chemisch-Toxikologische-Untersuchung