Bedeutung von Alkohol definiert durch Gebrauch der Substanz - Alkohol Bedeutung
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Alkohol: Genussmittel oder Tranquilizer? - Aggression Zustand Bedeutung von Alkohol definiert sich über seinen Gebrauch

Eine Substanz wie Alkohol ist nicht an und für sich schlecht, sondern es kommt auf den Gebrauch an, den man von ihr macht (Ethanol, chemische Strukturformel: C2H6O).

Alkohol kann als psychoaktive Substanz gebraucht werden. Ab einer geringen Dosis wirkt Ethanol bereits auf die Psyche. Alkohol ist im Gegensatz zu Psychopharmaka rezeptfrei. Er ist daher eine Möglichkeit, Stimmungen ohne fremde Hilfe zu beeinflussen.

Der Mensch ist eine Herdentier (Wilfred Bion). Mit Hilfe von Alkohol tritt er aus seinem Angewiesen sein auf andere heraus und gibt sich durch eine psychoaktive Substanz selbst das, was er benötigt (z.B. eine Stimmungsveränderung). Er befriedigt dadurch die Phantasie, sehr mächtig und unabhängig von anderen zu sein. Jenseits aller biochemischen Prozesse, die man erforschen kann, ist dies allein schon eine Gefahr und eine große Verlockung.

Wenn eine Person Alkohol auf diese Art und Weise benutzt, dann spricht man in den Beurteilungskriterien für Fahreignung von einer "problematische Konsummotivation". Alkohol droht in diesem Fall, zu einem Suchtmittel zu werden. Langfristig lebt dann der Alkohol den Menschen und nicht der Mensch den Alkohol.

Der jeweilige Gebrauch der Substanz "C2H6O" entscheidet darüber, welche Bedeutung sie für den einzelnen Menschen hat. Man kann Alkohol gebrauchen
  1. als Genussmittel
  2. als Tranquilizer (englisch: für "Beruhigungsmittel")
  3. als Anxiolytikum ("Angstlöser")
  4. als Hypnotika (von griechisch: Hypnos, Schlaf, griechisch: Gott des Schlafes).
  5. als Analgetikum (griechisch: Algos, Schmerz) Schmerzmittel
  6. als Katalysator für Aggression
  7. als Gratifikation (Belohnung)
  8. als Inneres Objekt.
Im Folgenden werden nun ein Paar der Möglichkeiten näher erläutert.

1.Genussmittel


Alkohol kann als Genussmittel gebraucht werden. Ein feierlicher Anlass wird durch den gemeinsamen Konsum einer kleinen Menge Alkohol markiert. Hier ist der Konsum aber ritualisiert. Man erhebt gemeinsam das Glas. Man wartet, bis alle soweit sind. Man stoßt gemeinsam an und trinkt Schlucke.

2.Tranquilizer


Man kann Alkohol als Schlafmittel gebrauchen (sogenannter "Absacker"). Alkohol kann als Narkotikum verwendet werden (Substanz, die eine Narkose hervorruft). Dabei ist der Schlaf, der durch Alkohol ausgelöst wird, nicht so erholsam wie der natürliche Schlaf. Man benötigt mehr Schlafzeit, um den selben Erholungseffekt zu erzielen.

Alkohol ähnelt den Benzodiazepinen (z.B. Diazepam, Handelsname: Valium). Benzodiazepine gehört zur Gruppe der Schlaf- und Beruhigungsmittel. Sie werden bei Angst-, Erregungs- und Spannungszuständen, aber auch bei starken Krämpfen eingesetzt. Benzodiazepine haben ein hohes Suchtpotential.

Benzodiazepine verstärken die Wirkung zentralnervös dämpfender Substanzen wie Alkohol. Alkohol wiederum fördert die Wirkung von Benzodiazepinen. Es gibt eine Kreuztoleranz zwischen Benzodiazepinen und Alkohol. Wer viel Alkohol verträgt, verträgt auch höhere Dosen von Benzodiazepinen, und umgekehrt. Ist in der Vorgeschichte Alkoholabhängigkeit bekannt, so dürfen der Person keine Benzodiazepine verschrieben werden.

3.Anxiolytikum


Man kann Alkohol benutzen, um schwere Ängste vorübergehend zu beseitigen. Menschen, die zu sehr starken Ängsten neigen, entdecken manchmal die angstauflösende (anxiolytische) Wirkung von Alkohol. Sie fühlen sich dann unter Alkohol groß und nicht mehr durch ihre Ängste kleingemacht. Sie missbrachen Alkohol für einen Selbsttherapieversuch. Wenn dann die Angst wiederkehrt, so wird erneut Alkohol konsumiert (Teufelskreis von Alkoholkonsum bei schweren Ängsten).

Der Betroffene wird auf diesem Wege abhängig von seiner Art der kurzfristigen Problemlösung. Er selbst kann auf diese Art und Weise das Grundproblem zeitweise vergessen. Er lebt sozusagen von einem angstfreien Augenblick zum nächsten. Es geht um eine nachhaltige Verleugnung einer inneren Wirklichkeit. Mit der Zeit bewirkte nicht nur die Wiederkehr der Angst, sondern auch das Auftreten von Entzugserscheinungen, dass er erneut Alkohol konsumiert.

Auch eine beängstigende Gewissensstimme kann auf diese Art und Weise unterdrückt werden, siehe nächsten Abschnitt:

4.Katalysator für Aggression


Der Begriff "Katalysator" stammt von einem Chemiker, Wilhelm Oswald. Man kann ihn hier vereinfacht mit "Beschleuniger" oder "Förderer" übersetzen.

Nach vorliegenden Untersuchungen werden 50 Prozent aller Verbrechen nach vorausgegangenem Alkoholkonsum verübt. Er ist weitgehend Ursache für Aggressionsdelinquenz, insbesondere Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte (Gewalt und Kriminalität, Arbeitstagung des Bundeskriminalamtes (BKA) Wiesbaden vom 17. und 20.September 1985.)

Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem Jahr 2012 besagt, dass 32,1 Prozent aller Tatverdächtigen eines Gewaltdeliktes ihre Tat im alkoholisierten Zustand begangen haben (vergleiche Kenn-dein-Limit, Statistik der Polizei). Straftaten, die in die Kategorie "Gewaltkriminalität" fallen, sind zum Beispiel:
  1. Sachbeschädigung
  2. gefährliche und schwere Körperverletzung
  3. sexuelle Nötigung und Vergewaltigung
Bei Gewaltverbrechen sind alkoholisierte Personen deutlich überrepräsentiert. Das ist bei anderen Verbrechen nicht der Fall.

Unter Alkohol eskalieren ganz allgemein zwischenmenschliche Konflikte.
  1. Familienstreitigkeiten
  2. Konflikte aus beengten Wohnverhältnisse
  3. Probleme aus Geldmangel
  4. Eifersuchtskonflikte
die Konfliktpartner sind nicht mehr in der Lage, ihre Konflikte verbal auszutragen, sondern sie greifen - meist bedingt durch Hilflosigkeit - panikartig zu gewalttätigen Mitteln.

Häufig treten alkoholisierten Personen auch in Gruppen auf:
  1. rüpelhaftes Auftreten von jungen Leuten in öffentlichen Verkehrsmitteln
  2. geschlossenes Auftreten von Rockern und Punkern in Diskotheken und bei Feiern
  3. alkoholisierte Fußball-Fans bei Bundesligaspielen
Die Wahl des Opfers ist mehr oder minder zufällig und situationsbedingt.

Die Erkenntnis, dass Alkohol enthemmt und Aggression fördert, führt nicht zwangsläufig zu einem reduzierten Konsum. Menschen mit einer bestimmte Persönlichkeiten benutzen Alkohol gezielt, um eine ängstigende Gewissensstimme weitgehend zu unterdrücken und im alkoholisierten Zustand ihre Aggression ausleben zu können (acting out).

5.Gratifikation


Man kann Alkohol als Belohnung gebrauchen. Alkohol wirkt auf den Nucleus accumbens. Diese Hirnstruktur gehört zu dem sogenannten Belohnungszentrum.

Schon 1954 pflanzten James Olds und Peter Milner dünne Elektroden in das Gehirn von Ratten ein, über die ihr Belohnungszentrum elektrisch stimuliert werden konnte. Hatten die Ratten gelernt, diese Impulse selbst auszulösen, so wurden sie schnell süchtig nach der Belohnung. 1000 Mal in der Minute drückten sie auf die Taste, um sich selbst zu stimulieren. Nichts anderes interessierte sie mehr (sogenanntes "Selbststimulationsexperiment").

6.Inneres Objekt


Man kann Alkohol als "Mitmenschen" gebrauchen. Bei diesem Gedankengang muss man ausholen. Er geht auf Melanie Klein zurück.

In der Vorstellungswelt primitiver Kulturen gibt es nichts Unbelebtes. Man könnte auch sagen, dass Kinder wie Mitglieder primitiver Kulturen sind. Fragt man ein Kind, warum der Wind das Fenster zuschlägt, so antwortet es unter Umständen: "Das ist so, weil der Wind böse ist." Dem Naturphänomen Wind wird also eine Seele zugeschrieben (animistische Deutung, Anima = Seele).

Man könnte sich nun weiterhin denken, dass auch innere Naturerfahrungen, also körperliche Reize wie z.B. der Hungerschmerz und das Gefühl der Sättigung, beseelt werden. Das könnte erlebt werden wie eine Beziehung zu einem Objekt im Inneren: "Ein böses Männchen frisst die Person von Innen auf und ein gütiges Wesen im Inneren erzeugt ein Wohlbefinden, usw." - Es ist in der Tat nicht ratsam, bei Behörden kurz vor dem Mittagessen anzurufen, da die Mitarbeiter weniger gut ansprechbar sind.

Die chemische Substanz "Ethanol" ruft ebenfalls körperliche Veränderungen hervor. Es ist denkbar, dass diese körperlichen Reize bewusst oder unbewusst ebenfalls als Beziehung zu einem Objekt erlebt werden: "Alkohol als ein Freund, der die Person immer versteht und ihr Kraft verleiht." (Objektbeziehungstheorie).

Der Experimentalpsychologe Burrhus Frederic Skinner kritisierte Erklärungen menschlichen Erlebens und Verhaltens, die mit Beziehungen zu inneren Menschen operieren, als unwissenschaftlich. Das Argument ist erstaunlich, da es um die menschliche Psyche geht. Psychoanalytiker glauben nicht, dass Menschen innere Menschen in sich haben. Sie glauben aber, dass Menschen solche Phantasien über ihr Inneres haben. Der Glaube an eine Person im persönlichen Umfeld, die wie ein Fels in der Brandung ist, ist geradzu ein Zeichen psychischer Gesundheit. Und natürlich ist mit diesem Glauben auch die unbewußte Vorstellung verknüpft, diese Person ganz konkret in sich zu tragen und mit ihr eine Beziehung zu haben (gutes inneres Objekt).

Beispiel: Wenn nach einer langen Ehe ein Partner stirbt, so kann man beobachten, dass der übriggebliebene Partner den Verstorbenen oft auf dem Friedhof besucht und Gespräche mit ihm führt. Der Gedanke, dass Menschen unsterblich sind und in anderen weiterleben könnten, gehört auch hier her. Unter Künstlern und in Kunstwerken wie Romanen und Filmen findet man oft diesen Gedanken.

Der Forschungsbereich, der sich in der experimentellen Psychologie damit beschäftigt, ist die sogenannte Resilienzforschung. Nicht jeder, der aus schwierigen Verhältnissen kommt ist psychisch auffällig und arm. Man kann sich also fragen woran das liegen mag, dass Menschen durch schreckliche Umständen wie Enteignung, Vertreibung, Kriegsgefangenlager, Konzentrationslager oder einfach nur Chancenlosigkeit nicht psychisch krank werden, während viel andere es werden.

7.Fazit von Rainer Thomasius


Erstaunlicherweise fällt Alkohol nicht unter das Betäubungsmittelgesetzt. Rainer Thomasius will Alkohol unter das Betäubungsmittelgesetz stellen. Er sagt: "Etwa 10 Prozent aller gesundheitsbezogenen Schäden, für die die Krankenkassen aufkommen, werden durch Alkohol verursacht. Alkoholismus ist im Grunde genommen mit eines der größten Krankheitsbilder, das wir überhaupt kennen.

Außerdem wächst jedes 7.Kind in Deutschland mit einem alkoholabhängigen Elternteil auf - jedes 7.Kind über eine gewisse Strecke und jedes 12. Kind über die gesamte Biographie." (Rainer Thoamsius, Deutsches Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DKSKJ)).

Bedeutung von Alkohol definiert durch Substanzengebrauch als Genussmittel, Tranquilizer, Anxiolytikum, Katalysator für Aggression, Gratifkation


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