Definition der medizinisch-psychologischen Untersuchung: MPU, Idiotentest
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Fahreignung Begutachtungsstellen, Gutachter Was ist eine MPU? - Ist die MPU ein Idiotentest? - Definition der medizinisch-psychologischen Untersuchung

Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (abgekürzt: MPU) beurteilt die Fahreignung des Antragstellers.

Der Begriff "Idiotentest"


Der Verkehrspsychologe Dipl.-Psych. Jörg-Michael Sohn verweist darauf, dass der Begriff "Idiotentest" an die Sterbehilfe im Dritten Reich - Euthanasie - denken lässt (sz-magazin, Beim Autofahren hört der Verstand auf).

Im Dritten Reich wurden mehr als 70 000 Menschen aufgrund psychiatrischer Erkrankungen und/oder aufgrund von Intelligenzdefiziten getötet (Aktion T4). Das geschah aber im Geheimen. Der Zugang zu den Konzentrationslagern war auch deutschen Bürgern versperrt, sofern sie nicht direkt an den Vorgängen beteiligt waren. Die Weltöffentlichkeit glaubte damals lange nicht, dass es diese Konzentrationslager tatsächlich gab. Erst bei Kriegsende erfuhr sie die ganze schreckliche Wahrheit (Video "Ärzte-Prozess - Nürnberg 1946/47"). Die MPU im Nachkriegsdeutschland ist nicht die Medizin ohne Menschlichkeit (Alexander Mitscherlich), die es in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs gab.

Idiotentest Begriff -  MPU Rechnung, Sichtweise und Erlebnisweise - Verkehrspsychologe MPU Vorbereitung

Die psychologische Bedeutung des Begriffs "Idiotentest"

MPU-Kandidaten durchleben manchmal einen besonderen Lebensabschnitt, wenn Sie die Medizinisch Psychologische Untersuchung vor sich haben. Sie befinden sich dann in einer besonderen psychischen Verfassung. Für diese psychische Verfassung gibt es ein Wort: "Idiotentest"! Wer der Idiot ist springt in der Phantasie des Klienten hin- und her: Einmal ist es der Psychologe und andermal ist es der Klient selbst.

Der MPU-Kandidat als der Idiot, der getestet wird.

Der Klient hat die Phantasie selbst der Idiot zu sein, wenn er sich einem willkürlichen mächtigen Gegenüber ausgeliefert fühlt: Wenn ein Klient sagt: "Ich war zu ehrlich bei der MPU und darum bin ich durchgefallen.", dann beschreibt er die Beziehung zu einem Menschen, für den Wahrheit keine Rolle spielt, bzw. es wird unterstellt, dass der Psychologe ein Unmensch ist, der jede Äußerungen des Klienten gegen ihn verwendet. Er wird in der Vorstellung des Klienten zu einem Wesen, das nicht von menschlicher Natur ist: ein Monster.

Dazu gehört auch der Gedanke, dass es bei der MPU um Ausbeutung von Notleidenden geht. Fahreignungsgutachter werden oft als "Abzocker" beschimpft. Die MPU sei nur negativ gewesen, damit der Betroffene nochmals die Gutachtengebühr bezahlen muss. Das sei der wahre Grund.

Die Abteilung der Führerscheinstelle, die für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis zuständig ist, weißt oft eine hohe Personalfluktuation auf. Diese Tätigkeit ist nicht sehr begehrt. Die Mitarbeiter sehen sich oft schweren Vorwürfen durch die Betroffenen ausgesetzt. In fünfzig Prozent der Fälle werden die Mitarbeiter beschuldigt, dass Sie die berufliche Existenz der Betroffenen vernichten würden (Einschätzung des Leiters der Führerscheinstelle Berlin).

Der Gutachter als der Idiot, der getestet wird.

In der andere Erlebensweise gibt es die Phantasie das der Psychologe der Idiot ist. In dieser Haltung sagt sich der Klient: "Psychologen muss man anlügen. Sie wollen angelogen werden." Diese Sichtweise wird manchmal mit einer unumstößlicher Überzeugung vorgetragen, die nicht weiter zu diskutieren ist.

Der Gedanke, dass ein Psychologe einfach nur ein "X" ist, eine Unbekannte, ist unter Umständen weniger leicht zu ertragen, als die beiden oben angeführten Konzeptionen eines Psychologen.

Das Wort "Idiotentest" beschreibt eine innere Haltung, die dem Erfolg bei der MPU im Wege steht. Wenn aus der unbewussten Sicht des Klienten der Psychologe, oder der Klient selbst, der Idiot ist, dann ist keine konstruktive Beziehung möglich. Beide Seiten werden demontiert. Eine konstruktive Zusammenarbeit ist aber eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Sache. Dennoch schaffen auch Klienten, bei denen diese inneren Haltung stark ausgeprägt ist, die MPU. Wenn sie dann auf ihre eigene MPU zurückblicken, dann zeigen sie sich oft sehr überrascht und berichten über eine tiefe Erkenntnis. Nun haben sie erkannt, dass die MPU gar nicht so schlimm ist. Zuvor waren sie aber unbeirrbar davon überzeugt, dass es sich bei der MPU um einen Idiotentest handelt.

Man könnte auch sagen, dass bei MPU-Kandidaten mehrere Konzeptionen der MPU nebeneinander her existieren. Die eine Konzeption lautet: "Die MPU ist ein Idiotentest." Die andere Konzeption lautet: "Die MPU ist eine notwendige Angelegenheit, um die Verkehrssicherheit in Deutschland aufrecht zu erhalten." Diese beiden Konzeptionen können in ein und demselben Menschen nebeneinander her bestehen, ohne sich je zu berühren.

Die Konzeption der MPU als Idiotentest ist ein unauslöschlicher Irrtum oder ein (Mythos). Diese Annahme ist tief verwurzelt und letztlich nicht korrigierbar. Sie erhält dann neue Nahrung, wenn es im ersten Anlauf nicht gelingt, ein positives Gutachten zu erhalten.

Defizit an positiven Informationen über die MPU.

Auf MPU-Foren liest man viel Schlechtes über die Fahreignungsbegutachtung. Man kann in Deutschland zwei Arten von Menschen unterscheiden: Menschen, die die MPU nicht bewältigen, fühlen sich manchmal dazu berufen, der Öffentlichkeit mitzuteilen was für ein unfaires System die Fahreignungsbegutachtung in Deutschland eigentlich ist. In anderen Ländern würde es die MPU nicht geben. Es sei nur in Deutschland so. - Auch diese Aussage trifft nicht zu. Die MPU gibt es auch in der Schweiz. - Menschen, die die MPU bewältig haben, fühlen sich allerdings nicht im gleichen Maße dazu berufen der Öffentlichkeit mitzuteilen was für ein faires System die Begutachtung ist. Sie kehren einfach in ihr normales Leben zurück. Die Sache ist für sie erledigt. Dieser Unterschied führt dazu, dass es in der Öffentlichkeit und dem Internet weitaus mehr negative Informationen über die MPU gibt.

Nicht Betroffene sehen die MPU ganz anders

Man kann die erwachsenen Menschen Deutschland in zwei Typen einteilen: Menschen, die zur MPU müssen, und Menschen, die es nicht müssen. Menschen, die zur MPU müssen, sind wenig erfreut über diese Tatsache. Ihr Stimmung zeigt Schwankungen bis hin zum offenen Hass gegen das ganze Verfahren und allem was damit zusammenhängt. Menschen, die nicht zur MPU müssen, sehen die Sache erstaunlich anders. Eine Befragung (Verband der TÜV e.V., Studie zum Image der MPU) zeigt, dass das Bild der MPU in der Bevölkerung deutlich besser ist, als das Bild, welches die Presse davon zeichnet. Die Presse spricht gerne von dem "Idiotentest" und möchte schon allein mit dem Begriff Gefühle schüren und einfach ein paar Zeilen verkaufen.

Wie gehen andere Nationen mit Verkehrssündern um?

Außer Deutschland und der Schweiz hat kein Land in der Europäischen Union die MPU. Auch sonst auf der Welt gibt es nicht die MPU. Hier könnte man einmal fragen: "Wie gehen weit entlegene Nationen mit Verkehrssündern um?"

Der Unterschied zwischen der ersten und zweiten MPU

Es ist nicht möglich, allgemeine Aussagen über die MPU zu machen. Man muss zwischen der ersten und zweiten MPU unterscheiden. Man muss sich überlegen welche Konsequenzen eine erneute Auffälligkeit nach einer positiven MPU hat, wenn es sich um die selbe Sache handelt.

Sagen wir ein MPU-Kandidat, der mit Alkohol im Straßenverkehr aufgefallen ist, erklärt bei der ersten MPU, dass er in Zukunft nur noch kontrolliert mit Alkohol umgehen wird und Alkohol-Exzesse, wie er sie in der Vergangenheit gelegentlich hatte, vermeiden wird. Wird diese Person nach ein paar Jahren wieder mit Alkohol im Straßenverkehr auffällig, so werden sich die damals gemachten Aussagen, die zu einer positiven MPU geführt haben, gegen den Klienten wenden. Der Betroffene musste damals schließlich das positive Gutachten bei der Führerscheinstelle abgeben, um den Führerschein nochmals zu erhalten. Das positive Gutachten befindet sich jetzt in seiner Führerscheinakte. Wenn er erneut zur MPU muss, dann steht für den neuen Gutachter das alte Gutachten zur Verfügung und er kann darin lesen welche Argumentation damals zu einer positiven Entscheidung führte. Mit seiner erneuten Alkoholfahrt hat der MPU-Kandidat nun aber demonstriert, dass seine eigene Prognose falsch war. Er hat sich selbst falsch eingeschätzt. Er kann nicht kontrolliert mit Alkohol umgehen. Er ist wieder aufgefallen.

Geht man davon aus, dass immer auch Selbst- und Fremdtäuschung im Spiel ist, so kann man sagen: "Die erste MPU kann man mit Lügen bewältigen. Lügen haben aber kurze Beine." Bei der MPU sind "kurze Beine" unter Umständen schon einmal ein paar Jahre lang. Bei schweren Verstößen beträgt die Tilgungsfrist fünfzehn Jahre. So lange befinden sich die Unterlagen im der Führerscheinakte. Aber auch noch darüber hinaus kann der Gutachter doch zumindest fragen, warum z.B. vor zwanzig Jahren die Fahrerlaubnis das erste Mal entzogen wurde.

Sprechblasenverkäufer gibt es viele am Markt der MPU-Berater-Branche. Man kann schwer sagen was zuerst da war, die Sprechblasenkäufer oder Sprechblasenverkäufer: Beides bedingt sich gegenseitig.

Was für Fragen stellt der Gutachter?

Die Angst vor dem Unbekannten ist besonders bei einer solchen Überprüfung groß. Man kann die Fragen, die in einer MPU gestellt werden, aber nur teilweise vorhersehen. Es gibt bei Kandidaten die Idee, sie könnten die Begutachtungssituation vollständig lenken, wenn sie nur all die Fragen kennen würde, die gestellt werden. Nur ist es wirklich möglich, alles vorherzusehen? Die MPU ist eine menschliche Begegnung. Menschliche Begegnungen lassen sich nicht vollständig steuern. Eine andere Person stellt eine Wirklichkeit dar, die man anerkennen sollte. Es gibt den Versuch diese andere Person zu einem Teil der eigenen Psyche zu machen und sie dann den Mechanismen zu unterwerfen, die in der eigenen Psyche wirken. Man müsse nur ein "MPU-Profi" werden und dann würde das schon funktionieren. Das ist aber eine Phantasie und nicht die Wirklichkeit!.

Die Begutachtung hat viele Facetten und der Mensch, der sie absolvieren muss, ist in einem erheblichen Maße mit grundlegenden eigenen Konflikten konfrontiert. Man könnte die MPU als eine Station auf dem Weg zum Erwachsensein ansehen (Initiationsritus). Ein Mensch ist dann als vertrauenswürdig einzustufen, wenn er seine eigenen Schuldgefühle durchzustehen vermag und darauf verzichten kann, die Gedanken seines Gegenübers zu "steuern".

MPU als zweite Chance

Die Begutachtung der Fahreignung (MPU) ist eine zweite Chance! Der Betroffene kann Argumente vortragen, die für seine Fahreignung sprechen. Man spricht deshalb bei der MPU von einem "Entlastungsgutachten". Der zu Begutachtende erhält die Möglichkeit, sich selbst zu entlasten.

Angesicht einer negative MPU verfallen manche Betroffene in eine Art von Hass, Angst und Verzweiflung. Man muss sagen, dass ein negatives Fahreingnungsgutachten eine Momentaufnahme darstellt. Diese Momentaufnahme hat nur für sechs bis zwölf Monate Bestand, danach müsste man eigentlich nochmals schauen wie es jetzt aussieht.

Die Beurteilungskriterien beziehen sich auf die Gegenwart. Die Vergangenheit ist lediglich der Ausgangspunkt für den heutigen Zustand. Beispiel: Nicht die Tatsache, dass ein Proband bisher drei Trunkenheitsfahrten hatte, gilt als Kriterium für eine negative Beurteilung, sondern die Tatsache, dass der Proband eine erhebliche Alkoholtoleranz (Giftfestigkeit) entwickelt hat oder dass er auch heute noch in der selben Umwelt lebt wie bei den früheren Trunkenheitsfahrten. Er hat noch die selben Freunde, usw. (Beurteilungskriterien, 3.Aufl, S.29).

Prinzipiell muss ein Fahreignungsgutachter prüfen, ob es eine Veränderung gab und wie stabil diese Veränderung ist, ob sie "ausreichend lange andauert". Dieser "ausreichend lange Zeitraum" muss im Einzelfall definiert werden. Bei bestimmten Fallkonstellationen sind es sechs und bei anderen zwölf Monate.

Zerstörung aller Hoffnung als Methode der Kundengewinnung

Einer unserer Klienten berichtet von einem Anbieter, der sagte: "Bei dem, was Du gemacht hast, werden sie Dir niemals mehr die Fahrerlaubnis auf legalem Wege zurückgeben!" - Wir sind mit unseren Klienten übrigens nicht per Du. - Man muss dazu das Folgende sagen: Ein Gericht kann einen lebenslange Fahrerlaubnissperre verhängen. Das bekommt man dann schriftlich. Wenn die Fahrerlaubnissperre aber zeitlich begrenzt ist (z.B. zwölf Monate), so bedeutet dies, dass es für den Betroffenen einen Weg zurück gibt (Paragraph 69 a StGB - Sperre für Fahrerlaubniserteilung). Dieser Weg ist die Vorlage eines positiven Fahreignungsgutachtens bzw. einer positiven Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU).

Statistik der Führerscheinentzüge

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 100 000 Führerscheine eingezogen (Tendenz sinkend). Bei der Mehrzahl der Betroffenen wird eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet. Die Zahlen sind im Detail interessant.

Die Zahlen vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA)

Im Verkehrszentralregister (VZR) des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) werden jedes Jahr Daten über Verkehrsverstöße registriert. Das VZR erhält Mitteilungen
Überblick über die Verkehrsauffälligkeiten. Klicken Sie auf Bestand und dann auf die roten Links unter der Überschrift Basistabellen!

Siehe auch Jahresbericht des Kraftfahrt Bundesamtes. Den Jahresbericht findet man auf der Website des KBA (kba.de) und dem "Reiter" Presse. Man kann den Jahresbericht kostenlos downloaden.

Untersuchungsanlässe

Eine MPU wird immer dann angeordnet, wenn es grundsätzliche Zweifel an der Fahreignung einer Person gibt, wobei diese Zweifel durch verschiedene Anlässe oder Auffälligkeiten entstehen: Siehe auch die Liste der Verkehrsstraftaten (sind in Deutschland Straftaten mit Bezug zum Verkehr auf öffentlichem Verkehrsgrund)

Den Schwerpunkt aller MPU-Untersuchungen bilden die "Promillesünder".

Die Teilnahme an der MPU ist prinzipiell freiwillig. Jeder kann im Grunde entscheiden, ob er die Chance einer MPU wahrnehmen oder eben auf seinen Führerschein verzichten möchte. Ohne das positive Gutachten einer Begutachtungsstelle für Fahreignung (BFF) wird er aber seine Fahrerlaubnis nicht zurückerhalten. Durch die oben angegebenen Anlässe ist der Vertrauensvorschuss verwirkt und die Behörde fordert eine Überprüfung.

Ablauf der MPU

Eine MPU besteht aus vier Teilen. (Die Reihenfolge ist in der Praxis nicht zwingend einzuhalten, Hauptsache alle vier "Bausteine" finden statt):

1.Fragebogen

Am Anfang erhalten die Teilnehmer erhalten mehrere Fragebögen. Medizinische Fragebögen beziehen sich auf Vorerkrankungen, Behinderungen oder Medikamente, die aktuell eingenommen werden. Es gibt auch Fragen zur Biographie.

2.Psychologische Leistungstests

Bei den psychologischen Leistungstests handelt es sich um Reaktions- und Konzentrationstests. Das Wiener Testsystem VERKEHR ist internationaler Standard für Fahreignungsdiagnostik. Diese sind so konstruiert, dass sie von relativ simplen Aufgaben stufenweise zu einem höheren Schwierigkeitsgrad führen. Doch Betroffene müssen sich wegen dieser Tests keine großen Sorgen machen - um die Fahrerlaubnis wiederzuerhalten, reichen bei den psychologischen Leistungstests relativ niedrige Werte aus. Verkehrspsychologen sprechen von Prozentrang 16, der erreicht werden muss, das heißt, nur 16 Prozent der Bevölkerung bleiben unter diesem Wert.

Ein Test ist z.B. der Adaptive Tachistoskopische Verkehrsauffassungstest (ATAVT). Ein Tachistoskop ist ein Gerät aus der Wahrnehmungspsychologie. Das Gerät erlaubt die kurzzeitige Darbietung von visuellen Reizen. Es gibt eine Wahrnehmungsschwelle. Ein Reiz muss eine bestimmte Anzahl von Millisekunden auf einem Monitor erscheinen, bis der Reiz der Person bewusst wird. Unter dieser Schwelle fällt der Person überhaupt nicht auf, dass es auf dem Monitor etwas zu sehen gab. An der Wahrnehmungsschwelle wird der Reiz eher als Blitz wahrgenommen.

Man kann nun einem Menschen für sehr kurze Zeit Verkehrssituationen darbieten und ihn fragen, was auf dem Bild zu sehen war: War da ein Stopp-Schild? War am Straßenrand ein Fußgänger? usw.

3.Medizinische Untersuchung

Die medizinische Untersuchung stellt den dritten Teil der MPU dar. Der Arzt fragt die Betroffenen nach möglichen Krankheiten, die in Zusammenhang mit der Fahreignung stehen könnten. Wenn der Untersuchungsanlass "Alkohol im Straßenverkehr" ist, werden in der Regel die Leberwerte geprüft. Man spricht hier von einer Chemisch-Toxikologischen-Untersuchung (Medizinischer Teil der Fahreignungsuntersuchung).

4.Psychologisches Gespräch

Ein weiterer Teil der Untersuchung ist das psychologische Gespräch, das 45 bis 60 Minuten dauert. Das Ziel des psychologischen Gespräches, allgemein formuliert, ist es herauszufinden, ob dem Betroffenen ein erhöhtes Risiko für die Verkehrssicherheit darstellt, s.a. Fahrerlaubnisverordnung (FeV) Anlage 15. Es geht um eine individuelle Risikoabschätzung im Gegensatz zu einer Entscheidung aufgrund der Aktenlage (Führerscheinakte).

Das Gutachten ist anlassbezogen. Es gibt eine klare Fragestellung des Landratsamtes. Daran hat sich der Gutachter zu halten.

Träger von Begutachtungsstellen

Liste amtlich anerkannter Träger von Begutachtungsstellen für Fahreignung (§66 FeV) - Stand April 2015. Fett gedruckt sind Träger die eine Niederlassung in Stuttgart haben.
Die Träger von Begutachtungsstellen für Fahreignung unterliegen regelmäßigen Überprüfungen durch die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Die Überprüfung erfolgt in einem Fünf-Jahres-Zyklus. Es wird das Qualitätsmanagementsystem (QMS) übergeprüft.

Die Begutachtung durch die BASt ist die Voraussetzung für die amtliche Anerkennung der einzelnen MPU Begutachtungsstellen durch das jeweilige Bundesland - Anerkennung von Begutachtungsstellen ist Länderrecht (§ 66 FeV und Anlage 14). Liegen beide Anerkennungen vor, so spricht man von einer "amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung".

Die amtliche Anerkennung verpflichtet zur Einhaltung umfangreicher gesetzlicher und fachlicher Bestimmungen. Diese umfassen etwa
Auch in der Fahrerlaubnisverordnung (FeV). In der Anlage 15 der FeV finden Sie wichtige Hinweise zum Ablauf einer MPU.

Die amtlich anerkannte Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF)

Wenn man bei der Führerscheinstelle einen Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis stellt, so sendet die Führerscheinstelle die Aufforderung zur MPU und eine kurze Liste von Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF). Häufig glaubt der Betroffen, er dürfte nur zu einer dieser Begutachtungsstellen gehen. Auf dem Blatt steht aber nicht, dass man nur (!) zu einer diesen Begutachtungsstellen gehen darf.

Der Betroffene geht von einem Verbot aus, dass gar nicht existiert. In der Problemlösepsychologie nennt man dieses Phänomen "Verbotsirrtum". Im Recht bedeutet "Verbotsirrtum" aber etwas völlig anderes.

Man muss keine der Begutachtungsstellen, die die Fahrerlaubnisbehörde vorschlägt, wählen. Man kann die Liste der BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen) heranziehen und eine der 272 Begutachtungsstellen, die es in Deutschland gibt, auswählen (Liste von Begutachtungsstellen geordnet nach Postleitzahlen).

Die MPU als Werkvertrag

Das Gutachten ist das Werk eines Fahreignungsgutachters. Der MPU - Kandidat sucht sich eine BfF heraus und schließt mir ihr einen Werkvertrag und kann über das Werk, bzw. das Gutachten, frei verfügen. Das Fahreignungsgutachten gehört dem Betroffenen und sonst niemanden. Er hat darüber Verfügungsgewalt

Mit anderen Worten: Adressat des Gutachtens ist der Kunde (Auftraggeber). Er trägt die Kosten des Gutachtens und entscheidet über die Weitergabe. Die BfF ist an die Schweigepflicht gebunden. Manchmal fürchten MPU-Kandidaten mit negativer MPU, dass die Begutachtungsstelle die Information an die Behörde weitergegeben hat. Für telephonische Auskünfte an die Führerscheinstelle müsste der Auftraggeber die BfF aber erst einmal von der Schweigepflicht entbunden haben.

Die Honorierung der Begutachtung für Fahreignung (MPU) ist in der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr geregelt (z.B. Anlage Gebührennummer 451- Linke Spalte beachten und bis 451 scrollen)).

Der Fahreignungsgutachter

Erstellung von Fahreignungsgutachten ist ein weitgehend standardisierter Prozess. Es müssen Aufzeichnungen erstellt werden. Am Ende des Gesprächs soll der psychologische Gutachter mitteilen, wie es steht (Sachstandsmeldung). Der medizinische Gutachter ist ebenso wichtig wie der psychologische Gutachter (Wikipedia), daher gibt es bei der Sachstandsmeldung des Psychologen immer einen Vorbehalt (medizinisches Untersuchungsergebnis).

Für den psychologische Gutachter für Fahreignung wird eine einschlägige Berufspraxis gefordert. Schriftlich dokumentierte einjährige Einarbeitung durch einen erfahrenen psychologischen Gutachter (mindestens dreijähriger Praxis in der Fahreignungsbegutachtung). Der einzuarbeitende Psychologe absolviert im Regelfall 100 Gutachten bevor er selbständig arbeitet.

Psychologie ist ein großes Wissensgebiet. Der Witz ist, dass sich die Wissenschaftler nicht darauf einigen konnten, was "Psychologie" eigentlich ist (Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft). Man kann die Psychologie in zwei Bereiche unterteilen: Die MPU ist eine Mischung aus beidem. Dem Gutachter liegt die Führerscheinakte vor und er kennt er biographische Studien.

Beispiel: Je häufiger ein Kraftfahrer wegen Trunkenheit am Steuer vorbestraft ist, desto höher ist bei ihm die Rückfallwahrscheinlichkeit (Beurteilungskriterien, 3.Aufl., S. 28). Wenn man sich aber vollständig auf die Statistik verlassen würde (experimentelle Psychologie), so bräuchte man keine Einzelfalluntersuchung (MPU). Ein psychologischer Gutachter soll eine individuelle Risikoeinschätzung vornehmen. Er trifft diese Entscheidung zusammen mit einem Mediziner.

Betriebswirtschaftliche Optimierung der Begutachtungsstellen für Fahreignung bzw. der MPU

Der bei einer Begutachtungsstelle fest angestellte Gutachter ist frei in seiner Entscheidung. Der Leiter der Begutachtungsstelle kann ihm nicht vorschreiben, wie das Ergebnis seines Gutachtens auszusehen hat. Der angestellte Gutachter erhält einen Zeitlohn (Monatslohn).
 Personalmanagement (Betriebswirtschaftslehre) gibt es folgende Grundsätze für die Lohnpolitik: Der Witz ist nun, dass sehr große Träger dazu übergehen, für geistige Tätigkeiten einen Stücklohn, bzw. Akkordlohn, zu bezahlen. Das bedeutet: Pro Gutachten erhält ein Psychologe einen bestimmten Geldbetrag, damit sich alle Verbindlichkeiten von Seiten des Unternehmens befriedet (Honorar). Der Psychologe erhält keinen Zeitlohn und ist nicht beim Unternehmen angestellt. Diese betriebswirtschaftliche Optimierung der Fahreignungsbegutachtung bedeutet, dass man angestellten Gutachter "aussterben" lässt. Von Seiten des Konzerns werden sie als "Altlast" betrachtet.

Honorarbasierte Vergütung von Gutachten senkt vermutlich die Qualität der Gutachten. Der Gutachter verdient gleichviel Geld, gleichgültig ob er 45 Minuten oder etwa 60 Minuten begutachtet. Wahrscheinlich wird er nicht länger begutachten, denn sonst verdient er an einem einzelnen konkreten Gutachten pro Minute weniger. So gibt es auch eine Tendenz, dass Frauen als Fahreignungsgutachter arbeiten. Frauen können eine schlechte Bezahlung eher tolerieren, da eben der Ehemann der Hauptverdiener ist.

Abgesehen davon fühlen sich Gutachter, die auf Honorarbasis arbeiten, in übertriebener Weise abhängig von ihrem Unternehmen. Sie fürchten, im nächsten Monat weniger Aufträge vom Leiter der Begutachtungsstelle zu bekommen. Der Leiter der Begutachtungsstelle hat einen festen Lohn, bzw. Zeitlohn. Das schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in Begutachtungsstellen großer Träger von Begutachtungsstellen.

Fahreignung ist ein unbestimmter Rechtsbegriff

Es steht nicht im Gesetz, was die Merkmale von "Fahreignung" sind. Das ist mit Absicht so. Der Gesetzgeber will hier Flexibilität haben. Es gibt aber dennoch Begutachtungsleitlinien und Beurteilungskriterien, die eine Hilfestellung für den Fahreignungsgutachter darstellen. Alle Regeln werden immer wieder überprüft ("Fehlerkultur" bei der Begutachtung der Kraftfahreignung, Rainer Mattern und Wolfgang Schubert, Tagungsband Hamburg.pdf - DGVM).

Begutachtungsleitlinien

In Deutschland gibt es die "Medizinisch-Psychologische-Untersuchung" seit 1954. Es gab in Deutschland viele Kriegsheimkehrer. Diese Männer kamen mit Handikaps aus dem Krieg zurück. Dennoch wollten diese Personen am normalen Leben teilhaben. Eine Gruppe von Ärzten legte fest, welche Krankheiten und Handikaps eine Fahreignung ausschließen. So bewirkt z.B. das Vorliegen einer Epilepsie, dass eine Person nicht geeignet ist ein Fahrzeug zuführen (spezieller Teil der Begutachtungsleitlinien).

Man kann das auch in der Fahrerlaubnisverordnung nachlesen (Anlage 4 FeV). Unter 8.3 ist zum Beispiel definiert, dass einen Person, die an Alkoholabhängigkeit leidet, nicht geeignet ist ein Fahrzeug zu führen, usw. Der springende Punkt ist nun aber der: Kann dieser Mensch zeigen, dass er gelernt hat mit seiner Alkoholkrankheit zu leben, dann ist er doch geeignet ein Fahrzeug zu führen (Wolfgang Schubert, Vortrag an der Deutschen Psychologen Akademie).

Beurteilungskriterien

Als Ergänzung zu den Begutachtungsleitlinien gibt es die Beurteilungskriterien für Fahreignung. Die Beurteilungskriterien sind das Handwerkszeug für den Fahreignungsgutachter. Die MPU soll auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik stehen (Anlage 15 Punkt 1 c FeV). Die Beurteilungskriterien sind für Gutachter absolut verbindlich. Jeder Gutachter hat sich daran zu halten. Wenn ein Gutachter sich einmal nicht daran halten sollte, so muss er dies begründen.

Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung - Beurteilungskriterien - Änderungen und Weiterentwicklungen in der 3.Auflage, Jürgen-Brenner Hartmann und Thomas Wagner, Zeitschrift für Verkehrssicherheit 4.2013, S.218.

Urheber der Beurteilungskriterien für Fahreignung sind wie gesagt die DGVM und die DGVP (Fachgesellschaften).

Der Technische Überwachungsverein erkannte früh die Notwendigkeit, die Beurteilung der Fahreignung auf die Basis einheitlicher Methoden und Maßstäbe zu stellen. Am 18. Februar 1960 wurde der "Fachausschuss Medizinisch-Psychologische Arbeitsgebiete" (FA-MPA) gegründet. Die Informationen wurden in einem TÜV Informationssystem den Gutachtern zur Verfügung gestellt. Die Beurteilungskriterien für Fahreignung als Buch erschienen vermutlich erst 2001.

In den Anfangsjahren der MPU wurde eine Persönlichkeitsdiagnostik betrieben. Heute ist die Diagnostik verhaltensorientiert. Die Diagnose orientiert sich an der Fragestellung der Behörde, z.B.: "Kann Herr/Frau ... trotz der Hinweise auf Alkoholmissbrauch im Sinne der Anlage 4 zur FeV ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1/2 sicher führen?"

Die Beleihung

Fahreignungsbegutachtung ist eigentlich eine Sache des Staates. Der Staat überträgt diese Aufgabe aber auf natürliche Personen (Beleihung). Eine natürliche Person ist eine Person, die Rechte und Pflichten hat.

Den Begriff "natürliche Person" kann man verstehen, wenn man in die Vergangenheit schaut. Nach dem römischen Recht waren Sklaven keine natürlichen Personen. Sie hatten keine Rechte. Das waren Menschen, die Sachen gleichgestellt wurden. Man konnte sie besitzen wie man eine Sache besitzt.

Fahreignungsbegutachtung ist also ein Beispiel für indirekte Staatsverwaltung. Der Staat macht die Arbeit nicht selbst. Häufig findet man den Glauben und die Überzeugung, dass der TÜV eine staatliche Einrichtung ist. Das trifft nicht zu. Der TÜV ist ein privates Unternehmen, das beliehen wurde. Tatsächlich war der TÜV das erste Dienstleistungsunternehmen, das die MPU durchführte. - Die erste MPU wurde sinniger Weise in Stuttgart, der Stadt der Automobilhersteller, durchgeführt.

Die Gleichsetzung des TÜV mit der MPU

Träger von Begutachtungsstellen machen die MPU, bzw. die einzelne konkrete Begutachtungsstelle selbst. Es ist aber inhaltlich falsch "Träger von Begutachtungsstellen" mit dem "TÜV" gleichzusetzen. Ein anderen Beispiel: Man sagt "Tempo" statt "Papiertaschentuch". Zutreffender wäre es, von Papiertaschentuch zu sprechen. Engt man die "Träger von Begutachtungsstellen" auf den TÜV ein, so ignoriert man rund 50 Prozent der Begutachtungsstellen für Fahreignung.

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Psychologische Bedeutung Begriff "Idiotentest"
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Defizit an positiven Informationen
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Die Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF)
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